
Aus der Imkerwerkstatt: Wie gewinnt man in der Imkerei Bienenwachs?
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Wir kennen sie alle: Bienenwachskerzen. Oftmals werden sie auch als „Honigkerzen“ bezeichnet. Damit ist ihr Duft gemeint, denn die Substanzen unterscheiden sich stark und haben letztlich nur ihren Wärmecharakter gemeinsam.
Dampfwachs-Schmelzer
Bevor die Bienensaison richtig beginnt, ist für uns Imker Zeit, alte, dunkle Bienenwaben einzuschmelzen. Wachs schmilzt bei Temperaturen von über 65 °C. Es gibt verschiedene Geräte für diesen Vorgang. Eine gängige Methode, die Waben einzuschmelzen, ist ein Dampfwachs-Schmelzer, der mit Gas betrieben wird.
Der Einsatz des Schmelzers wird mit Wabenwerk gefüllt. Kochendes Wasser unterhalb des Einsatzes erzeugt heißen Dampf und bringt das Wachs in die Waben zum Schmelzen. Es läuft gelb aus dem Auslaufhahn und beginnt relativ rasch im Auffanggefäß abzukühlen und fest zu werden.
Zurück im Schmelzer bleibt dunkler „Trester“, die Rückstände, die die Waben so dunkel erscheinen lassen. Er besteht aus Puppenhäuten der verpuppten Bienenlarven und fermentiertem Pollen, auch Perga genannt.
Zeitintensiv
Bis man einen ca. 5 kg schweren Wachsblock gewonnen hat, vergehen etwa vier Stunden (ohne Vor- und Nachbereitung). Anschließend wird der Trester vom Wachsblock abgeschabt und das Wachs erneut verflüssigt. In einem warm eingepackten Gefäß soll das flüssige Wachs anschließend langsam abkühlen. In der Fachsprache nennt man diesen Vorgang „Wachs klären“.
Die restlichen, feinen Trester-Bestandteile sammeln sich am Boden des Wachsblocks und können nach dem Abkühlen abermals abgeschabt werden.
Je nach Verschmutzungsgrad und späterer Verwendung wird dieser Vorgang wiederholt. Alternativ setzen manche Imker ein Seihtuch ein, wodurch das Klären rascher und mit weniger Energieeinsatz geschieht.
Einsatz von Bienenwachs
- Für Bienenwachskerzen muss das Wachs sehr sauber sein, da die Trester-Rückstände den Docht verstopfen und die Kerze zu rußen beginnt.
- Weitere Verwendung findet Bienenwachs als Konsistenzgeber und Wirkstoff in Salben und Cremes. Zu Abnehmern gehören Kosmetik-Hersteller, Pharma-Unternehmen und Heilmittel-Firmen.
- Auch in Bienenwachstüchern als Alternative zu Frischhaltefolien brauchen wir Wachs.
- Bienenwachsauflagen finden in der Naturheilkunde Anwendung. Hier wird meist ein dünner Seidenstoff mit Bienenwachs und ätherischen Heilölen getränkt. Zusammen mit einer Schurwollauflage und einer Wärmeflasche wirkt sie zum Beispiel bei Gelenkbeschwerden und Erkältungskrankheiten.
Demeter-Wachs
Demeter-Wachs ist aufgrund seiner Reinheit und Qualität besonders beliebt vor allem in der Heilmittel-Herstellung.
Wir unterscheiden zwei verschiedene Qualitäten: Wachs 1 besteht aus den eingeschmolzenen Honig-Deckeln (welche bei der Honigernte anfallen) und aus Naturbauwachs. Wachs 2 besteht aus Honigwaben, die schon einmal zu Wachsplatten gegossen wurden.
Wertvoll
Bienenwachs ist ein Produkt, dass die Bienen aus ihren Wachsdrüsen ausschwitzen. Abermillionen kleiner Wachsplättchen sind nötig, um eine Wabe zu bauen. Um ein kg Wachs zu schwitzen brauchen die Bienen die Energie von ca. sieben kg Honig.
Wachs ist im Prinzip umgewandelte, verdichtete Honigwärme. Und Honig ist im Prinzip umgewandelte, verdichtete Sonnenwärme.
Viele Waben ergeben eine Kerze. Kannst Du in der Kerzenflamme die Sonnenliebe, Honigwärme und Bienenliebe wahrnehmen?