Wissenswertes
Über Gelee Royale
Gelee Royale, Königinnenfuttersaft, Ammenbienensaft, Schwesternmilch (Jürgen Tautz) – viele Namen und Geschichten ranken sich um dieses besondere Lebenselixier aus dem Bienenvolk.
1. Herkunft
Gelee Royale ist ein tierisches Produkt. Es wurde von Prof. Jürgen Tautz, einem Bienenforscher, als Schwesternmilch bezeichnet. Dieser Begriff ist sehr passend, denn Gelee Royale entsteht im Körper der Arbeitsbiene durch die Verdauung von Nektar und Pollen, genauer gesagt in den Kopf- und Oberkieferdrüsen der 6-12 Tage alten Arbeitsbienen. Diese Schwesternmilch ist die erste Nahrung aller Larven im Bienenvolk, also sowohl für die Königin, die Drohnen (männlichen Bienen) und die Arbeitsbienen.
2. Epigenetik
Eine Larve, aus der später eine Arbeitsbiene werden soll, wird in ihren ersten drei Larventagen mit 2-4 mg Gelee Royale gefüttert. Eine Larve, aus der später eine Königin entstehen soll, wird in ihren gesamten sechs Larventagen mit 200-400 mg Gelee Royale gefüttert.
Genetisch sind beide Individuen (Arbeitsbiene und Königin) gleich. Lediglich die Ernährung (und die Zellgröße, -form und -ausrichtung in der die Larve liegt) lässt aus der einen Larve eine Arbeitsbiene, aus der anderen eine Königin werden. Dies bezeichnet die Wissenschaft als Epigenetik. (Die Ernährung mit Honig und Pollen schaltet die Transkription bestimmter Gene aus.
3. Gelee Royale ist Nahrung für die Königin
Die fertige Königin wird schließlich ihr gesamtes Leben lang (etwa 3-5 Jahre) weiterhin mit Gelee Royale gefüttert. Die Arbeitsbienen und Drohnen hingegen ernähren sich von Pollen und Nektar. Dies ist mit ein Grund, warum die Königin einerseits so lange lebt und im Sommer bis zu 1200 Eier pro Tag legen kann.
4. Aussehen und Geschmack
Gelee Royale ist eine milchig aussehende Substanz mit einem sauren pH-Wert um 4. Je älter es ist, umso mehr verändert sich die Substanz und wird gelblicher und gallertartiger. Frisch schmeckt es adstringierend, eventuell herb und leicht säuerlich. Es hat nichts mit dem Geschmack von Honig gemein.

Prozent-Anteil % | Inhaltsstoff |
---|---|
70 | Wasser |
30 | Trockensubstanz |
davon: 50 | Aminosäuren, darunter alle acht essentiellen Aminosäuren, die der Mensch nicht selber herstellen kann |
25 | Kohlenhydrate, vornehmlich Glucose und Fructose |
16 | Fettsäuren, hervorzuheben ist die bedeutsame: 10-Hydroxy-2-deccensäure (Qualitätsmerkmal: mind. 1,5% bis ca. 6%) |
9 |
Vitamine (B1, B2, B3, B5, B6, B7 (H), B9, C, E) Mineralstoffe und Spurenelemente Acetylcholin (ein Neurotransmitter) Biopterin (ein Kofaktor für Redoxreaktionen) Neopterin (ein Botenstoff des Immunsystems) |
6. Haltbarkeit:
Honig, Perga (fermentierter Pollen) und Propolis sind Substanzen, welche die Bienen so umarbeiten, dass sie länger im Volk gelagert werden können. Gelee Royale hingegen wird unmittelbar an die Larven verfüttert. Es ist also nicht für die Lagerung vorgesehen. Dementsprechend ist die Substanz äußerst licht- und wärmeempfindlich und leicht verderblich.
7. Darreichungsformen
Gelee Royale wird in verschiedenen Formen angeboten. Hier eine Auswahl mit abnehmender Qualität von 1 bis 5:
- Vom Imker direkt aus dem Volk: Die bestmögliche Qualität erhält man, wenn man die (überzählige) Königinnenzelle zur Schwarmzeit direkt aus dem Bienenvolk mitsamt der Larve und der Wachszelle isst. Damit schadet man dem Volk am wenigsten und ist ethisch am verträglichsten.
- Frisch und gekühlt: nur in den Monaten Mai-Juli aus spezialisierten Imkereien.
- Nach der Ernte tiefgefroren und dann angetaut geliefert.
- Gefriergetrocknet, meist in Kapselform.
- In Trinkampullen oft gemischt mit Met, Pollen und Propolis.
Nicht so günstig ist die Darreichung „Gelee Royale in Honig“, da sich das Gelee Royale in dieser Mischung über die Zeit verändert. Hingegen ist es gut, Gelee Royale zusammen mit Honig einzunehmen (aber aus getrennten Behältnissen). Daneben wird Gelee Royale in verschiedenen Kosmetika verarbeitet. Welche Qualität dort noch vorhanden ist, wollen wir uns nicht zutrauen zu beurteilen. Vorsicht ist geboten bei Produkten aus dem Ausland. Diese haben sehr oft eine mangelnde Qualität und sind verfälscht oder ohne Wirkung.
8. Gewinnung
Wie wird Gelee Royale erzeugt, wenn im Bienenvolk nur so unglaublich geringe Mengen natürlicherweise vorkommen?
In einer Königinnenzelle finden wir die 100-fache Menge an Gelee Royale, im Vergleich zu einer Arbeiterinnen- oder Drohnenzelle, nämlich 200-400mg pro Zelle. Daher macht es Sinn, Gelee Royale nur aus diesen Zellen zu ernten. Königinnenzellen gibt es aber nur vereinzelt im Volk und auch nicht in jedem Jahr.
Man bedient sich den Methoden der Königinnenzucht, die genauso funktioniert, wie die Produktion von Gelee Royale. (Der einzige Unterschied ist der, dass bei der Königinnenzucht die künstlichen Zellen drei Tage länger im Pflegevolk verbleiben):
- Um Königinnen zu züchten, wird einem vitalen, starken Bienenvolk (Pflegevolk) die Königin entnommen. Dadurch kommt das Pflegevolk in die Notlage, sich eine neue Königin heranziehen zu “müssen”, um zu überleben.
- Aus einem anderen guten Volk werden die 1-2 Tage alte Larven der Arbeitsbienen aus ihren sechseckigen Zellen entnommen und in künstliche runde Königinnenzellen umgesetzt. Das nennt man „umlarven“. Man reiht diese Königinnenzellen in einem Zucht-Rähmchen auf und setzt sie in das Pflegevolk, das nun versucht, alle Königinnen aufzuziehen.
- Nach ca. 3 Tagen, wenn die Menge an Gelee Royale in den Zellen maximal ist, werden die Zuchtrahmen entnommen, im ersten Schritt die Larven abgesaugt und im zweiten Schritt das Gelee Royale abgesaugt, gefiltert und sofort gefroren, gefriergetrocknet, sehr kalt gelagert oder entsprechend des Herstellers weiterverarbeitet.
- Das Pflegevolk bekommt den Zuchtrahmen mit neuen Larven wieder zurück und der Vorgang wird mehrmals wiederholt.
- Die Arbeitsbienen im Pflegevolk leben maximal 6 Wochen. Damit das Pflegevolk, welches ja keine Königin besitzt, also nicht schrumpft, werden fortlaufend leere Waben (aus denen die Arbeitsbienen bereits geschlüpft sind) entnommen und gegen neue Waben mit Brut aus fremden Völkern versorgt. Dadurch schlüpfen im Pflegevolk immer wieder neue Arbeitsbienen, die die Königinnenzellen mit Gelee Royale versorgen.
- Ein Pflegevolk kann pro Zyklus etwa 50 Königinnenzellen versorgen. In den Monaten Mai bis Juli kann man unter optimalen Bedingungen von diesem Pflegevolk 250-400g Gelee Royale im Jahr ernten.
9. Fazit
Die Methode manipuliert die Bienen in höchstem Maße. Alles daran ist für Bienen unnormal und hochgradig stressig. Das einzig “normale” ist der Umstand, dass sich Bienenvölker ohne Königin aus Arbeiterinnenlarven eine neue Königin nachziehen können. Diese Tatsache macht man sich in der Gelee Royale-Produktion zunutze.
In der Demeter-Betriebsweise versucht man, die Integrität der Bienen zu bewahren. Daher ist die moderne Königinnenzucht in unserer Betriebsweise ausgeschlossen. Dementsprechend ist auch die Gelee Royale-Produktion ausgeschlossen.
Gelee Royale ist ein hochgradig wertvolles Heilmittel - keine Frage. Es gibt Indikationen, die es rechtfertigen können, das Bienenvolk so stark zu manipulieren oder -besser- überzählige Schwarmzellen mit Gelee Royale zu entnehmen ohne dem Volk zu schaden (siehe oben). Oftmals jedoch wird Gelee Royale als „Schönheitsmittel“ in Kosmetik verwendet oder um die Vitalkraft für seinen “gesunden” Körper zu nutzen. Damit missbraucht man (wenn man sich nicht auskennt unbewusst) die Bienen für egoistische Zwecke – in erster Linie die Imkerei, die es für diese Zwecke herstellt und aus dem Bienen-Leid Profit zieht, als auch der Kunde, der es für diese Zwecke benutzt. Für ein solch potentes Nahrungsergänzungsmittel findet man in der Natur schwerlich Ersatz. Und genau aus diesem Grunde sollte es für Menschen erzeugt werden, die wirklich krank sind und dieser Substanz bedürfen. Dann „geben“ es die Bienen vermutlich „gerne“, aus Liebe zu den Menschen – wer weiß? Alle anderen, gesunden Menschen sollten ihren Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen, Aminosäuren, etc. über vielerlei andere Lebensmittel decken, die die Natur uns schenkt.