
„Durch-Lenzung" - Die schwierigste Zeit für Imker
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Mit dem Wort „Durchlenzung“ bezeichnet man in der Imkersprache die Zeitspanne vom Vorfrühling bis zum Frühling. Das mittelhochdeutsche Wort „lenze“ bedeutet „lang“ und deutet auf die länger werdenden Tage im Frühling hin. „Lenz“ steht für den Frühling und „Lenzing“ für März, der Monat, der den Frühling einläutet.
Die Wintertraube
Als Wintertraube bezeichnet man in der Fachsprache die Ansammlung der dicht aufeinander sitzenden Bienen in ihren Wabengassen im Bienenstock. Dabei bilden sie – räumlich gesehen – eine ovale Traube. Durchschnitten wird diese Traube von den Bienenwaben. Da diese die Wärme jedoch ungehindert durchlassen, wirken die Waben nicht störend für den Wärmehaushalt. In den Waben lagert der Honig und die Bienen „wandern“ mit der Wintertraube am Honigvorrat entlang.
In kalten Wintern legen die Bienen eine so genannte Brutpause ein. Das bedeutet, die Königin legt keine Eier ab. Wenn nicht gebrütet wird, reichen den Bienen Temperaturen zwischen 10 °C (an der Außenseite der Traube) und 26 °C (im Inneren der Traube) aus. Sie verbrauchen also relativ wenig Honig, den sie in Wärme umwandeln. Zudem muss auch der Brut-Parasit der Bienen, die Varroamilbe, eine Zwangspause einlegen. Ein weiterer Vorteil der Brutpause ist, dass die Bienen keine Brut versorgen müssen. Dies kostet sie Kraft und lässt sie schneller altern.
Alles in allem sind kalte Winter gesund für Bienen.
Das Volk erwacht
Bereits seit Januar, in milden Wintern durchgängig den ganzen Winter, brüten die Bienen bereits. Das bedeutet, die Königin legt Eier in den einzelnen Wabenzellen ab und die Bienen ziehen die Larven heran. Im noch kleinen Brutnest herrscht - auch bei Minusgraden im Außen - eine konstante Temperatur von 36 °C. Das Brutnest ist im Januar meist so groß wie eine Faust und auf ca. zwei Waben beschränkt. Es „wächst“ mit dem länger werden der Tage kugelförmig in den Wabengassen heran. Im März sind oft bereits drei bis vier Waben mit einem Durchmesser von 20cm belegt mit Bienenpuppen, -larven und -eiern.
Durchlenzung
Wusstest Du, dass das Bienenvolk die einzige Kolonie ist, die im Inneren die Wärme das ganze Jahr hindurch aufrecht erhält?
Im diese Wärme zu erzeugen benutzen Bienen den Honig als „Heizstoff“. Und das lässt die Imker jedes Frühjahr aufs neue bangen: „Reicht der Wintervorrat aus, bis der erste frische Nektar fließt?“ Wenn nicht, so verhungert das Volk und stirbt.
Jedes Öffnen zu dieser Zeit stört die Bienen und kostet sie sehr viel Wärmeverlust. Daher können die Imker die Bienen nur von außen beurteilen, am Flugloch: Tragen sie bei Temperaturen über 12 °C reichlich Pollen, so ist meist alles in Ordnung.
Erst wenn im März die Temperaturen weiter steigen, können Imker vorsichtig das Volk öffnen, um die äußerste Wabe anzuschauen. Ist dort viel Honig vorhanden, ist alles gut. Wenn nicht, muss man Honigwaben aus dem Lager zuhängen oder mit Honig füttern. Nicht selten benötigt ein Volk allein im Frühjahr 10-12 kg Honig.
Wunder
Für Imkerinnen und Imker ist die Durchlenzung eine angespannte Zeit. Es ist immer wieder erstaunlich und ein echtes Wunder, wie die Bienen den Winter überstehen. Und es gehört zu den schönsten Erlebnissen, in den ersten warmen Märztagen den Bienen bei ihren Ausflügen zuzuschauen und den unbeschreiblichen Duft der Bienen wieder wahrzunehmen zu dürfen.
Die Lebendigkeit der Bienen zu erleben ist ein Geschenk.